Hasta la vista, Valencia!

Chorreise nach Valencia, Spanien

Oktober 1993

Auf dem Weg

Bereits während der langen Hinfahrt, die wir in zwei Etappen aufgeteilt hatten, konnten wir uns auf die spanische Partnerstadt von Mainz, Valencia, einstimmen. Ursprünglich war die erste Etappe nur bis Avignon geplant. Die damals anhaltenden Regenfälle in Südfrankreich ließen jedoch diese Übernachtungsmöglichkeit buchstäblich ins Wasser fallen. So hatten wir die Freude, uns bereits am ersten Tag auf spanischem Boden aufzuhalten und bis in die Nähe von Barcelona zu kommen. In dem Badeort Calella, direkt am Mittelmeer, schlugen wir unser erstes Domizil auf.

Zum Abendessen gab es ein "vorzügliches" Menü aus Kartoffelbrei und Gulasch. Für den "etwas anderen Geschmack" gab es dazu Fischstäbchen. Etwas müde vom langen Sitzen im Bus, zogen wir uns recht bald in die "Gemächer" zurück.

Zum Frühstück wartete auf uns mit Chlor aromatisierter Kaffee. Somit waren alle schnell mit dem Frühstück fertig, und wir begaben uns sehr früh auf den zweiten Streckenabschnitt.

An diesem Tag fuhren wir durch Barcelona auf der Suche nach dem Berg und dem Kloster Montserrat. In Barcelona konnten wir aufgrund einer "Abkürzung" auch weniger befahrene Sträßchen sehen, die insbesondere durch unseren großen Mercedes-Bus eine besondere Note bekamen.

Eigentlich kann man den Montserrat nicht verfehlen. Dieses eindrucksvolle Bergmassiv ist nicht zu übersehen. So sahen wir unser Zwischenziel mal links, mal rechts von uns - doch: "Wie kommt man denn da hinauf?" Schließlich glückte es uns doch, den Berg zu erobern. Der lange Weg, der eigentlich ganz kurz sein sollte, hatte sich mehr als gelohnt. Dieses durch seine Zerklüftung so eindrucksvolle Felsgebilde und die schöne Aussicht wurden nicht zuletzt auch durch das Kloster mit der schwarzen Madonna zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Am Abend des zweiten Reisetages kamen wir in Castellon de La Plana an. Von der Ferienresidenz "EI Pinar", die von der spanischen Regierung auch für ältere Menschen als Reiseziel angeboten wird, waren wir nach den Erfahrungen der ersten Nacht sehr begeistert.

Die Reise wurde von der "Agentur für internationale Begegnungen" mit vorbereitet. Frau Uta Balzer war unsere Reiseleiterin. Sie kannte die Stadt Valencia, eine der Partnerstädte von Mainz, und zeigte uns ihre Sehenswürdigkeiten. Auch ihre Spanischkenntnisse waren uns sehr hilfreich.

Valencia!

Am Sonntag ging es nach Valencia (schon lange keinen Bus mehr gefahren). Wir gewannen einen ersten Eindruck von dieser bezaubernden Stadt. Als Mittagessen aßen wir meist Lunchpakete, oder "Lynchpakete", wie wir sie nannten.

Nachmittags um zwei Uhr sangen wir in der Iglesia de La Compañia in, einer heiligen Messe. In dieser Kirche steht eine wunderschöne alte Orgel mit spanischen Trompeten, die horizontal nach vorne gerichtet sind.

Am Abend gab der Chor in dieser Kirche sein erstes Konzert. Eigentlich war es mit acht Uhr abends für spanische Verhältnisse recht früh angesetzt, doch zu unserer Freude war die Kirche bis zum letzten Platz gefüllt, und die Einheimischen waren ein sehr dankbares und begeisterungsfähiges Publikum. Auch der Organist Andreas Ostermann, einer unsrer Kantoristen, begeisterte die Spanier. So wurde dieses Konzert für den Chor zu einem besonderen Höhepunkt.

Am Montag wurden wir im Rathaus von der stellvertretenden Oberbürgermeisterin und dem Polizeipräsidenten empfangen. Leider hatten wir gerade vorher unsere reichhaltigen Lunchpakete im trockengelegten Flussbett des Turia verzehrt, so dass wir beim Empfang von den valencianischen Spezialitäten überrascht wurden und wir den höflichen Aufforderungen des Rathauspersonals, doch gut zuzugreifen, nicht recht Folge leisten konnten.

Abends fand in Alcudia, der spanischen Partnergemeinde von Nieder-Olm, das zweite Konzert statt. Alcudia zeigte sich als malerisches aber verschlafenes Städtchen, ebenso verschlafen präsentierte sich die Orgel der Kirche. Die Zuhörer jedoch bedachten uns mit stehenden Ovationen. Nach der vierten Zugabe war unser Repertoire erschöpft.

Der nächste Tag stand zur freien Verfügung, wir nutzten ihn zur Entspannung. Direkt vor unserer Unterkunft, nur ca. 300 Meter entfernt, erstreckte sich das Mittelmeer, und bei sommerlichen Temperaturen konnte man spazieren gehen oder sich in die Fluten stürzen.

Bei einer der Chorproben machten wir die Bekanntschaft eines spanischen Feriengastes. Die ältere Dame meinte, Herrn Lamby tatkräftig beim Dirigieren unterstützen zu müssen. Dadurch erhielt die Chorprobe einen erheiternden Charakter.

Am späteren Abend durften wir den älteren Mitbewohnern eine musikalische Einlage darbieten, was die Zuhörer sehr erfreute. Besonders erstaunlich war es, dass wir an diesem Abend das Ständchen singen konnten, denn es gab eine Fußballübertragung. Jedoch blieb der Fernseher während unseres Singens eingeschaltet, damit auch ja keiner etwas verpassen musste. Während des ersten Liedes wurde noch lautstark diskutiert, ob der Fernseher oder der Chor dominieren sollte. Schließlich haben wir die Spanier doch von unserem Singen überzeugt.

Danach setzten wir uns noch in gemütlicher Runde zusammen. Dabei wurden wir wieder von unserer spanischen "Freundin" heimgesucht, die mit jedem einzelnen eindringlich sprach, was wir jedoch nicht verstanden. Alles wurde besiegelt mit einem herzlichen Händedruck. Besonders Hr. M. hatte es ihr offenbar so sehr "angetan", dass wir ihn, während einer kurzen Unaufmerksamkeit der Spanierin, hinter einem Sofa verstecken mussten. Wiederum begann die Spanierin eine Dialogrunde mit den Chormitgliedern, wobei Robert unvorsichtigerweise mit "Hasta la vista, baby!'' zu imponieren suchte, um sie von einer näheren Untersuchung des Sofas abzulenken. Danach musste er ordentlich Fersengeld geben, um seinen langen blonden Pferdeschwanz zu retten. Mit einem "Hasta mañana!'' konnte sich der Rest des Chores aus der Affäre ziehen.

Hr. M. kam endlich wieder hinter dem Sofa hervor. Robert konnte sich an diesem Abend nur noch mit einem Handtuch-Turban getarnt sehen lassen.

Katalonien.

Der Besuch des Amphitheater in Sagunto wurde uns durch Intervention eines spanischen Ministers gestattet. Frau Balzer, unsere Reiseleiterin, hatte ihre Beziehungen spielen lassen. Der Chor konnte die akustische Faszination des Amphitheaters von der Bühne aus erproben.

Der Genuss einer der vielen Carachillos (es handelt sich dabei um einen Espresso mit Schuss) verschönerte den Stadtbummel in Sagunto.

Die nachmittägliche Besichtigung einer weitläufigen Befestigungsanlage (Ruine) wurde durch jähes Wehgeschrei unterbrochen. Frau Balzer erklärte gerade, dass die Früchte der dort einheimischen Kakteen essbar seien. Sie seien aber nicht leicht zu schälen. In diesem Moment rief einer der Bässe mit klagender Stimme und leicht "perforierter" Zunge oben von einer Mauer herab, man möge ihm helfen, er habe Stacheln im Mund. Hätte er doch besser den Erklärungen der Reiseleiterin zugehört!

Am nächsten Tag besuchten wir den Musikunterricht in einer deutschsprachigen Schule. Gegenseitig haben wir uns ein Ständchen gesungen.

Danach ging es weiter nach Peniscola, einer malerischen Ortschaft mit Burganlage und vielen schmalen und steilen Gässchen, in denen kleine Läden zum Kaufen einluden.

Abends kam kurz vor unserem Konzert, das im gotischen Saal der Burg stattfand, ein starker Sturm auf. Außer den Zuhörern und dem Chor hatten sich als weitere Gäste Fledermäuse eingefunden, die durch den Saal kreisten. Dadurch herrschte eine fast gespenstische Atmosphäre. Wir sind aber nicht geflohen und hatten keinerlei Angst!

Die Heimfahrt

Am vorletzten Tag, es freuten sich schon alle auf die Busfahrt nach Barcelona, aßen wir, dort angekommen, unser letztes "Lynchpaket". So gestärkt begaben wir uns auf den Stadtrundgang. Zu sehen bekamen wir u.a. die gotische Kathedrale und die Häuser des Architektenwettstreits. Uns haben die Häuser von Antonio Gaudi durch ihre ganz ungewöhnliche Formgebung fasziniert. Leider war die Zeit für eine ausführliche Stadtbesichtigung nicht gegeben und manch einer wird sicher noch einmal eine Gelegenheit finden, Barcelona näher zu erkunden.

Der Zwischenhalt mit Übernachtung war wieder in Calella. "Chlor, du hast uns wieder"!

Als wir nach einer sehr langen Busfahrt wieder in Mainz ankamen, waren wir froh über das, was wir erlebt hatten, aber auch glücklich, wieder zu Hause zu sein.

Andrea und Fabian Herschel