England 1994

Die Mainzer Kinder- und Jugendkantorei zu Besuch in England (14. - 22.10.1994)

Lamby bei Madame Tussauds
Michael Doppeldecker
Father Brown
Dominik, Arnie und Wiebke Michaela und Kerstin Houses of Parliament Isa Martina und Judith in der U-Bahn
Detta
Lamby in Watforder Amtsrobe
Picadilly Circus Crocodile Dundee und Martina
Birgit mit KrÃ╝cken und Thomas Wiebke und Michaela Astrid und Robert Tower Bridge
Markus und David



Gesammelte Erlebnisse

Überzeugungsarbeit für den Familientarif

"Look in our brown eggs, we all have brown eggs!"

Schnäppchen bei Pizza Hut

13 Stück für 8,90 DM *durchOxfordroll*

Grenzbeamter mit Adlersaugen

Stefan kam mit diesem Ausweis durch die Kontrolle:
Personalausweis

Umrechnung englischer Einheiten

"Etwa 500 Miter by Fuß" entsprachen 20 Minuten Fußweg

Perfekte Publikumsankündigung einer Zugabe

"We will sing for us!"

Greetings from Watford and London

Von Andreas Ostermann

"As both towns have a strong connection with the print industry, Watford's links with Mainz, formed forty years ago, seemed an ideal partnership which has now grown up into a rewarding friendship for both, the German and British participants" - so beschreibt die vom Rat der englischen Stadt Watford herausgegebene Broschüre über ihre Partnergemeinden ihr Verhältnis zu Mainz, der deutschen Partnerstadt, und führt dazu weiter aus: "Many local groups, including local schools, community groups and the commercial sector, have visited the city through Watford's twinning programme." Mit ihrer Herbstreise 1994 nach Watford trug die Kantorei St. Alban ihren Teil zum Erhalt und weiteren Ausbau dieser Städtepartnerschaft bei. Nach Dijon im Jahre 1991, Erfurt im Sommer 1993 (E- Chor) und Valencia im Herbst desselben Jahres, ist Watford bereits die vierte Mainzer Partnergemeinde, welche die Kantorei innerhalb weniger Jahre besucht hat, ein Programm, das mit einer Fahrt ins israelische Haifa im Rahmen der für Herbst 1996 geplanten Reise ins Heilige Land seine Fortsetzung findet. Die räumliche Nähe Watfords zur britischen Hauptstadt (ca. 25 km nordwestlich von London gelegen) bestimmte das Programm für die erste gemeinsame Flugreise bereits im vorhinein in groben Zügen: Neben einem mehrtägigen Aufenthalt in der Partnerstadt sollte ausgiebig Zeit für die Erkundung Londons bleiben.

Da eine Städtepartnerschaft nicht bloß von offiziellen, sondern vornehmlich von persönlichen Beziehungen lebt, stand bei dem Besuch in Watford die Begegnung mit den Menschen der Stadt im Vordergrund. Das gegenseitige Kennenlernen und die Kommunikation wurden erleichtert durch die Bereitschaft der Einheimischen, die Kantoreimitglieder und deren Angehörige bei sich unterzubringen und für die Dauer ihres Aufenthaltes zu versorgen, so daß nicht wenige dieser Gastfamilien sich kurzfristig um drei und mehr Personen vergrößerten. Selbst der offiziellste Teil des Besuchs, der Empfang der Kantorei im Rathaus von Watford durch die Bürgermeisterin der Stadt, hatte schnell den Charakter einer bloßen Pflichtübung verloren, als nach der Begrüßung einige der Chormitglieder - sehr zu ihrem und dem Vergnügen der übrigen Anwesenden - sich die traditionellen Amtsroben der einzelnen Ratsherren überziehen und mit Herrn Lamby als Bürgermeister an der Spitze eine "Ratssitzung abhalten" durften, die sich freilich ohne Beschlüsse auf unbestimmte Zeit vertagte.

Wie gewöhnlich auf den Reisen der Kantorei, gliederte sich der Aufenthalt in Watford in Programm und Freizeit.

Neben dem Empfang im Rathaus von Watford stand ein Besuch der in der Nähe der Stadt gelegenen St. Alban's Abbey, deren Patron jedoch nicht mit dem gleichnamigen in Mainz verehrten Heiligen identisch ist, ebenso auf dem Programm wie eine Fahrt nach Oxford, der berühmten englischen Universitätsstadt, für deren Besichtigung sich der Pfarrer von Watford als Reiseleiter zur Verfügung gestellt hatte. Die für sonntags im Rahmen des Hauptgottesdienstes angesetzte Aufführung der Missa Brevis in C, KV 220 ("Spatzenmesse"), von W.A. Mozart und ein Konzert am Abend desselben Tages bildeten die musikalischen Höhepunkte des Watford- Besuchs. Die Aufführung der Spatzenmesse gestaltete sich dabei als Gemeinschaftsprojekt der Kantorei St. Alban mit dem Kirchenchor von Watford sowie dem Orchester der örtlichen Schule. Unter der Überschrift "A Mass of friendship" kündigte die Regionalzeitung, der Watford Observer, das Ereignis mit folgenden Worten an:

" A Mozart Mass sung by a massed mixed choir will mark a new friendship link between Watford and German twin town Mainz. The choirs of St. Michael and All Angels, Watford, and the Church of St. Alban, Mainz, celebrate a new link between the two with a large orchestral celebration service at St. Michael's Church at 9.30am on Sunday, October 16. The orchestra of Rickmansworth School will join the two choirs for a performance of Mozart's Missa Brevis in C which will be attended by a number of dignitaries from both nations including the Mayor of Watford. "We believe that this link is a very important step in establishing cultural and social links with our fellow- Europeans in Germany," commented The Reverend William Burke, Vicar of St. Michael's and All Angels. The church extend an invitation to anyone interested to join the congregation and their guests for Sunday's celebration concert."

Wie die Aufführung der Spatzenmesse, so fand auch das Chorkonzert als Gemeinschaftsveranstaltung der Chöre von St. Alban, Mainz, und dem Kirchenchor von Watford statt. Erneut, wie im Gottesdienst am Morgen, hatten sich, neben allen Gastfamilien, zahlreichen Gemeindemitgliedern und Gästen, auch Vertreter der örtlichen Prominenz als Zuhörer eingefunden. Ein von der Gemeinde für Chöre und Konzertbesucher organisiertes Abendessen, das als Buffet im Rückraum der Kirche aufgebaut war, rundete das offizielle Programm gemeinschaftsfördernd ab.

Die Gestaltung der Freizeit bewegte sich hauptsächlich in dem von den einzelnen Gastfamilien abgesteckten Rahmen und war daher individuell. Hier sind vor allem die gemeinsamen Mahlzeiten zu nennen, die Zeit und Gelegenheit für Austausch und Unterhaltung boten. Da die Gasteltern bis auf wenige Ausnahmen über keinerlei Deutschkenntnisse verfügten, konnten Gespräche überwiegend nur in Englisch geführt und dabei - sozusagen als Verbindung des Angenehmen mit dem Nützlichen - die eigene englische Sprachkompetenz erprobt, geprüft und möglicherweise verbessert werden. Wenngleich Watford insbesondere als Industriestadt bekannt ist, fehlen hier ausgedehnte Grünanlagen nicht. Das trotz der herbstlichen Jahreszeit sonnige und warme Wetter lud ein zu Spaziergängen durch den weiträumigen Stadtpark, der von Alleen und großen Wiesen umsäumt sowie von einem kleinen, aber doch schiffbaren Fluß durchzogen wird, wo man gar eine handbetriebene Schleuse bedienen konnte. Für die jüngeren Chormitglieder bot der Park genügend Möglichkeiten, nach Herzenslust herumzutoben und Spiele zu veranstalten. Bei den regelmäßigen Zusammenkünften des Gesamtchores sorgten die Erlebnisse der einzelnen für ausreichenden Gesprächsstoff, auch als die Kantorei sich nach vier Tagen Aufenthalts aus Watford bereits verabschiedet hatte.

Der zweite Teil der Reise führte nach London. Die hier herrschende Atmosphäre der Anonymität einer Weltstadt war im Vergleich zu dem familiären Ambiente in Watford schon sehr kontrastiv. Den überwiegenden Teil der Zeit des Aufenthalts in der britischen Hauptstadt nahm die Besichtigung der Hauptattraktionen in Anspruch: Westminster Abbey, die Krönungskirche und Grablege der britischen Monarchen sowie vieler berühmter Persönlichkeiten, Big Ben, The Houses of Parliament, Buckingham Palace, St. Paul's Cathedral, deren Galerien hervorragende Ausblicke über London bieten, Picadilly Circus, der Stadtteil Soho mit der berühmten Carnaby Street, Covent Garden, die ehemalige zentrale Markthalle, nun Zentrum kleiner Geschäfte sowie Bühne für kulturelle Veranstaltungen, The Tower of London, ehemals berühmt- berüchtigtes Gefängnis mit ebenso bekannten Häftlingen wie dem Humanisten und Lordkanzler Thomas Morus oder Anne Boleyn, der zweiten der sechs Gattinnen König Heinrichs VIII., seit 1967 auch Aufbewahrungsort der britischen Kronjuwelen, die ebenfalls zur Besichtigung freigegeben sind, Tower Bridge, Trafalgar Square, Madame Tussaud's Wachsfigurenkabinett und anderes mehr. Fahrten mit der London- Underground fehlten ebensowenig wie solche mit den für die Stadt bekannten roten doppelstöckigen Omnibussen. Neben allen diesen gemeinsamen Besichtigungstouren blieben auch Zeit und Gelegenheit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden: Shopping im Harrod's, Besuch des British Museum, der National oder der Tate Gallery, Diskussion und Polemik live an der Speakers' Corner im Hyde Park.

Musikalischer Höhepunkt der London- wie der gesamten Englandreise war neben einem Auftritt in der Westminster Abbey das halbstündige Chorkonzert in der bekannten Londoner Kirche St. Martin-in-the-Fields im Rahmen der dort zweimal wöchentlich stattfindenden traditionsreichen und vielgerühmten Mittagskonzerte (St. Martin-in-the-Fields Lunchtime Concert Series). Hier und in der Londoner Hauptkirche als ein in England wohl relativ unbekannter ausländischer Chor singen zu dürfen, bedeutete schon etwas Außergewöhnliches. Da war die kleine Enttäuschung über das mangels entsprechender Vorankündigung eher dürftig besuchte zweite Konzert in der Kirche St. Stephen's im Stadtteil Kensington schließlich doch ganz gut zu verschmerzen.

Die Englandreise, so läßt sich resümieren, war eine schöne und ereignisreiche Fahrt. Der Aufenthalt in Watford kann für die Entwicklung der partnerschaftlichen Beziehungen zu Mainz als sehr förderlich betrachtet werden. Dies wird schon daran deutlich, daß bereits nach Jahresfrist, im Herbst 1995, eine ca. 30 Personen umfassende Gruppe der englischen Partnergemeinde ihren Gegenbesuch in Mainz gemacht hat und hier mit ebensolcher Gastfreundschaft empfangen worden ist wie die Kantorei ein Jahr zuvor in Watford. Dabei hat sich gezeigt, daß aus so mancher Bekanntschaft inzwischen Freundschaft geworden ist und weitere Besuche in der Mainzer Partnerstadt, als Chorgemeinschaft oder privat, herzlich willkommen sind. Daß London immer eine Reise wert ist, braucht nicht eigens hervorgehoben zu werden. Für vieles, was diese Stadt zu bieten hat, blieb in den paar Tagen des Aufenthaltes dort doch zu wenig Zeit. Und so steht einem weiteren Besuch Watfords, in Verbindung mit London aber auch mit anderen Landstrichen der britischen Inseln, nichts im Wege.